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Alexander gesprungen am 28.09.2012

Fallschirm Tandemsprung

Erfahrungsbericht von Alexander – gesprungen am 28.09.2012

Die Motoren der kleinen Propellermaschine dröhnen. Die Ausstiegsluke ist nur einen Halben Meter von mir entfernt. Noch ist sie geschlossen. Wir sitzen dichtgedrängt hintereinander auf einer Art Bierbank aus Schaumstoff. Ich bin festgeschnallt an der Brust meines Tandempartners, genau wie die fünf anderen die mit mir springen. Jeder mit seinem professionellen Fallschirmspringer, als Tandempaar. In wenigen Minuten werden wir aus dem Flugzeug springen – in 4.000 Meter Höhe. Sofort nach der Ankunft am Sprungplatz gibt es eine Sicherheitseinführung. Meine Sprungpartner Peter erklärt mir die Regel und was ich zu tun habe, wenn wir mit fast 200 Stundenkilometern auf die Erde zurasen. Beim Ausstieg soll ich die Arme vor der Brust verschränken und ein Hohlkreuz machen. Klopft Peter mir dann auf die Schulter darf ich im Freien Fall die Arme ausbreiten. Ein erneutes Klopfen bedeutet dann wieder die Arme zurück an die Brust. Damit ich beim öffnen des Schirms nicht wild um mich schlage. Bei der Landung schließlich soll ich die Beine nach vorne strecken – wir werden auf dem Hintern landen. Klingt alles ganz einfach. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich das auch alles noch weiß wenn mein Körper tonnenweise Adrenalin durch meine Adern pumpt. Macht nichts. Peter strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, die auf mich übergeht und schließlich hat er das schon x-mal gemacht. Heute sogar schon drei Mal. Ich bekomme noch einen blauen Jumpsuite verpasst in dem ich aussehe wie ein Clown im Zirkus. Dazu noch einen ledernen Helm und eine Schutzbrille. Dann heißt es ab in die Maschine. Alles in allem hat es nur rund eine halbe Stunde gedauert bis ich nach meiner Ankunft im Flugzeug sitze. Das ist auch gut so – keine Zeit sich Sorgen zu machen oder es sich anders zu überlegen. So fühle ich gespannte Vorfreude. Noch nie bin ich mit einer so kleinen Maschine geflogen. Die Wolken erscheinen viele näher als in einer Linienmaschine. Allein der Flug ist schon ein Erlebnis. Und dann wird es ernst. Die Ausstiegluke geht auf. Ich spüre ein leichtes Unbehagen. Peter und ich robben an den Rand der Luke. Meine Beine hängen schon draußen. Ich spanne meinen Körper an und lehne den Kopf zurück, wie besprochen. Und dann sind wir auch schon draußen. Eine Drehung um die eigene Achse und wir rasen den Wolken entgegen. Wahnsinn. Mein Kopf ist leer. Ich bin total überwältigt. Ich reiße den Mund auf und die Luft presst sich in meine Lungen. Peter gibt mir das Zeichnen und ich breite die Arme aus. Ich fliege. Nach viel zu kurzer Zeit dann das zweite klopfen. Ich verschränke die Arme vor der Brust und schon reißt uns die Wucht des Fallschirms nach oben. Ich hänge in meinem Sprunggurt an Peters Brust, wie ein Baby im Wickeltuch seiner Mutter. Vorbei an meinen baumelnden Beinen sehe ich den Boden. Bäume, Wiesen und den Flugplatz. Damit es bloß nicht langweilig wird, zieht Peter an den Lenkseilen des Schirms. Sofort fangen wir an zu kreiseln und fallen schneller. Ich merke wie mir der Magen Richtung Kniekehle rutscht. Kurz danach sind wir schon im Landeanflug. Ich zieh die Beine an und wir landen Butterweich mit dem Hinter auf der Wiese. Kaum bin ich frei falle ich Peter in die Arme. Was für ein Erlebnis. Am liebsten würde ich sofort wieder ins Flugzeug steigen und noch einmal springen.